Blickmaschinen

Ausstellung: Künstler

Giulio Paolini


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Trionfo della rappresentazione (Triumph der Repräsentation), 1984
Lithographie und Collage
Photo: Michael Wagener

Seit der Renaissance wird die Wahrnehmung der abendländischen Kunst vom Schematismus der Zentralperspektive bestimmt. Unser Sehen ist seitdem regelrecht konditioniert hinsichtlich des Bildes als eines Fensters zu einer Bildwelt, die unsere reale Welt ergänzen soll. Paolini zeigt uns, wie diese Konvention bis heute unsere Wahrnehmung von Kunst bestimmt. Die Werke der Serie Trionfo della rappresentazione sind programmatisch. Kammerdiener, als in ihrer Persönlichkeit zurückgenommene Figuren, präsentieren die Kunst. Wie in einem Auktionshaus werden die Bildtafeln vorgeführt. Als verallgemeinerte, da unpersönliche Vertreter zeigen die Diener Teile des Werkes des abwesenden Künstlers. Zwei von ihnen stehen auf der Grundlinie eines rechteckigen Bildfeldes und halten eine zentralperspektivisch organisierte Raumschachtel, in der zwei kleiner wiedergegebene Diener das Photofragment eines Sonnenuntergangs stützen. Weitere Ausrisse der Landschaftsaufnahme sind über das Bild gestreut, dabei nicht der perspektivischen Ordnung folgend. Eine zusätzliche Schicht von Gipsfragmenten einer nicht identifizierbaren Statue ist bereits in diese Photofragmente eingetragen und macht deutlich, dass die tradierten Kunstkonzepte zerschlagen sind.

Durch diese Verschränkungen wird deutlich, dass Bilder immer Konstruktionen sind, dass die Ordnung auf einer Bildfläche nicht notwendigerweise homogen sein muss und dass wir nicht haltbaren Konventionen aufsitzen, wenn wir meinen, der Blick »in« ein Bild müsse notwendigerweise parallel zur Realität organisiert sein. Die Bilder behaupten ihre eigene Wirklichkeit.

Giulio Paolini (geb. 1940) lebt in Turin.



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Die Präsentation ist eine Ausstellung im Rahmen des Projektes Visuelle Taktiken/ Visual Tactics und wird gefördert durch das EU-Culture Programme.

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