Blickmaschinen

Ausstellung: Künstler

Dennis Adams


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Outtake (Verschnitt), 1998
Video auf DVD, 96 min.


1969 beauftragte der staatliche Fernsehsender des Südwestfunks die in Berlin arbeitende sozial engagierte Journalistin Ulrike Meinhof damit, ein Drehbuch zu entwickeln, das sich kritisch mit den Autoritätsstrukturen in deutschen Erziehungsheimen für weibliche Jugendliche auseinandersetzen sollte. Der daraus resultierende Film mit dem Titel Bambule, einem aus dem Afrikanischen entlehnten Wort, dessen Bedeutung einerseits "Tanz", andererseits "Aufstand" ist, hatte die Form eines Dokudramas. Kurz vor der angesetzten Ausstrahlung des Films im Frühjahr desselben Jahres verfügte der deutsche Fernsehrat jedoch seine Aufbewahrung im Giftschrank der Fernsehanstalten, da vermutet wurde, dass Meinhof sich an der Befreiung des RAF-Anführers Andreas Baader aus der staatlichen Haftanstalt beteiligt hatte. Der Film wurde bis 1995 nicht im Deutschen Fernsehen gezeigt.

Dennis Adams nahm aus Ulrike Meinhofs Film Bambule eine Szene (von ungefähr 17 Sekunden Länge) und unterteilte diese in 416 Einzelbilder. Auf dem Kurfürstendamm verteilte er ein Bild nach dem anderen in ihrer ursprünglichen Abfolge an Passanten. Während die einzelnen Filmbilder verteilt wurden, machte eine winzige Digitalkamera, die mithilfe einer Sonderanfertigung direkt mit dem Arm des Künstlers verbunden war, Nahaufnahmen von der Übergabe dieser Handzettel.
Die aus dem Film ausgekoppelte Szene zeigt eine aufgelöste Jugendliche, welche von zwei Nonnen durch die Korridore des Erziehungsheims getrieben wird. Da nicht vorausgesagt werden konnte, wieviel Zeit für die Handverteilung der Einzelbilder benötigt werden würde, bestimmten neue Zeitabstände und ein anderer Rhythmus die Neuaufnahme des Meinhofschen Originalmaterials. Verweigerung der Annahme und Verlangsamung standen schnellem Zugreifen gegenüber. Die ursprüngliche Länge des Filmausschnitts von 17 Sekunden dehnte sich zur tatsächlich aufgewendeten Zeit, die diese Straßenaktion brauchte – nämlich 136 Min. Die cineastische Spannung des Originalmaterials wurde durch die narrative Spannung des Aufgezeichneten gefiltert und verlangsamt.

Dennis Adams (geb. 1949) lebt in New York.



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